„Reboundeffekte“ bei der Sanierung

Mit viel Aufwand geplant, eine perfekte Finanzierung durch die Förderung über die KfW, handwerklich sauber saniert und dann das: Bei der ersten Überprüfung der Verbrauchszahlen zeigen sich praktisch keine Einsparungspotenziale?

In vielen Fällen ist das tatsächlich der Fall, zu oft fällt die Einsparung viel geringer aus als erwartet, und damit wird das „gesteckte“ Einsparungsziel nicht erreicht! Unter bestimmten Randbedingungen kommt es zu gar keinen Einsparungen und in ganz extremen Fällen sind sogar Verbrauchs- bzw. Emissionsanstiege bei den sanierten Projekten zu beobachten. Zu einfach wäre es jetzt den „schwarzen Peter“ den Planern und ausführenden Unternehmen zuzuschieben. Natürlich gibt es Planungs- und Ausführungsmängel bei der energetischen Sanierung (wie z.B. in der ARD Sendung Plus Minus am 05.09.2012 berichtetet), aber auch die andere Seite der Medaille muss betrachtet werden. Denn wissenschaftlich betrachtet spricht man bei den Eingangs beschriebenen “nicht vorhanden Einsparungspotenzialen“ vom sogenannten "Rebound-Effekt".

Dieses Phänomen wird im wissenschaftlichen Bereich bereits seit 1980 diskutiert. Eine Studie aus Österreich hat sich bereits 2005 mit diesem  Thema auseinandergesetzt, und interessante Ergebnisse erzielt. Zwei methodische Ansätze führten dabei zu einer gesamtheitlichen Bearbeitung und Betrachtung des Themas. Mit der Durchführung von 12 Fallstudien an repräsentativen Sanierungsprojekten in Österreich wurden qualitative Aspekte des Nutzerverhaltens und deren Auswirkungen auf den Sanierungserfolg untersucht und parallel erfolgt die Analyse von Querschnitts-Mikrodaten von ca. 500 österreichischen Haushalten, um qualitativ beobachtete Effekte zu quantifizieren.

Kurz gesagt: Auch der Verbraucher muss in die „energetische Sanierung“ aktiv mit einbezogen werden. Eine einfachere Verfügbarkeit von Wärme darf nicht zwangsläufig zu höheren Temperaturen im Haus führen, und es muss vor allem berücksichtigt werden, ob sich das Heizverhalten im gesamten Haus verändert. Sehr werden nach der Sanierung Räume beheizt, die vorher nicht warm zu bekommen waren. Und nicht nur, das mehr Zimmer nutzbar wurden, auch ein mit der Sanierung durchgeführter Dachausbau oder der Anbau eines Wintergarten haben die Wohnfläche vergrößert, und beeinflussen damit die Energiekosten.

Gerade in Haushalten, in denen vor der Sanierung durch das Bewusstsein des hohen Energieaufwandes zur Raumaufheizung sparsam und bewusst geheizt wurde, tritt durch die mit der Sanierung erreichte Komfortsteigerung sehr oft unbewusst ein Mehrverbrauch auf, da die einfache volle Beheizung aller Räume, höhere Temperaturen und eine automatische Temperaturregelung dem Verbraucher das Gefühl geben „alles ist in bester Ordnung“. Um also nach der Sanierung Äpfel mit Birnen zu vergleichen sind hier Berater und  Planer umso mehr gefragt, den Verbraucher in die Sanierungskonzepte „vor und nach“ der Sanierung intensiv mit einzubinden. So macht energetische Sanierung zusammen mit einer handwerklich einwandfreien Ausführung wirklich Sinn und führt dann auch zu deutlichen Einsparungspotenzialen.

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